Geschichte

Das heutige Franziskanerkloster in der Wiener Innenstadt erhebt sich an der Stelle eines Vorgängerbaus , der 1306 als eine „Seelhaus für Dirnen“, die sich bekehren wollten, von frommen und wohlhabenden Bürgern errichtet worden war. 1307 erfolgte bereits eine Kapellenweihe. Die Kirche, die 1476 mit sieben Altären geweiht wurde ist im Wesentlichen erhalten und wurde in den späteren Umbau einbezogen. Für die Büßerinnen stand ein eigener Geistlicher zur Verfügung, der im „Pfarrhaus“ in der „Weichenburg“ (davon leitet sich der Name der Weihburggasse ab) untergebracht war. Zur Zeit der Reformation verlor dieses Haus seine Bedeutung. Im Jahre 1533 wurde die Stiftung aufgelöst. 1572 ist die letzte Büßerin gestorben. In den acht darauf folgenden Jahren war dann im ehemaligen Seelenhaus-Bereich eine Erziehungsanstalt für Mädchen Armer Menschen eingerichtet worden.

Die Franziskaner in Wien mußten mehrmals ihren Standort wechseln. Das erst Kloster zum hl. Theobald wurde imm Türkenkrieg 1529 zerstört. Das zweite Kloster bei St. Rupert erwies sich schnell als zu klein und ist baufällig gewesen und wurde schließlich 1545 aufgegeben. 

Das Kloster zum hl. Nikolaus in der Nikolai- und Grünangergasse war bald ebenfalls zu klein und so erhielten die Franziskaner nach langen Verhandlungen von Herzog Ernst 1589 das ehemalige Büßerinnenkloster. Die zu dieser Zeit im Klostergebäude untergebrachten Mädchen wurden in St. Nikolai untergebracht..

Unter dem Provinzialminister Bonaventura Daum wurde das alte Kloster zum hl. Hieronymus niedergerissen. In den Jahren 1603-1611 wurde die alte Kirche umgebaut. 1614 wurde der 60 Meter hohe Turm errichtet und bis zum Jahr 1622 ein Kloster für 200 Brüder erbaut. Als Baumeister werden genannt Abraham Mall und Peter Center. 

Die Aufbringung für den Bau erforderlichen Mittel war nur deshalb möglich, weil die Franziskaner sehr beliebt waren und deshalb bei Adel und beim Volk viele Wohltäter fanden. Zu den größten Wohltätern des Klosters gehörten Kaiser Rudolf II., Ferdinand II. und Ferdinand III.

Unter Josef II. wurde den Franziskanern für kurze Zeit eine Pfarre anvertraut.

1895 kamen das Kloster Wien und drei andere Niederlassungen der Brüder in Niederösterreich zur ungarisch-slawonischen Provinz zum hl. Capistran. 1895 ließ der Guardian (Hausoberer) Kamillus Runner das Kircheninnerer gründlich restaurieren. Die Wände wurden mit Stuckmarmor versehen, Deckengemälde über den Seitenaltären angebracht, der schadhafte Fußboden durch einen Klinkerplattenbelag ersetzt und verschiedene andere bauliche Verbesserungen durchgeführt.

1945 riss eine Bombe die Seitenwand auf und zerstörte den Altar des Guten Hirten. Andere Bomben und Granaten richteten im Kloster Verwüstung an. Unter Guardian Edmund Schinko wurden die Kriegsschäden beseitigt.